Vertrag kommt von vertragen….

Oder auch „Wer schreibt der bleibt!“ Diese und andere Sprüche muss ich mir seit vielen Jahren anhören, aber sie haben ihre Berechtigung. Zwar bin auch ich ein Fan von Verträgen per Handschlag, allerdings müssen die Bedingungen dafür stimmen, und vor Allem sollten sich die Vertragsschließenden gut kennen und auch bedingungslos vertrauen. Doch wie sagt der Volksmunds so schön: „Bei Geld hört die Freundschaft auf!“

Doch was ist ein Vertrag überhaupt und wie sollte er gestaltet werden? Im Bauwesen sprechen wir hauptsächlich von Werk- oder Bauverträgen. Die Werk- oder Bauverträge sind üblicherweise mit einer Angebotsabgabe gekoppelt, sprich einer Preisangabe. Doch im Gegensatz zu Deutschland wird hier oftmals auf einen abschließenden Vertrag zwischen den Parteien verzichtet. Der Unternehmer gibt seinen Preis ab, der Angebotsempfänger akzeptiert diesen oder auch nicht. Und da beginnt meist schon das Problem, da die Angebote oftmals so schwammig ausformuliert wurden, dass nachher niemand mehr so genau weiß, was eigentlich beauftragt wurde.

Fangen wir nochmals von vorne an: Für die Abgabe eine Angebots liegt anfangs ein Bedarf vor. Als Beispiel nenne ich immer gerne Malerarbeiten, da diese Tätigkeiten sehr häufig vorkommen und fast jeder diese Leistungen eines Malers bereits in Anspruch genommen hat. Jetzt könnte man meinen, was denn bei Malerarbeiten passieren könnte, dass sich zwei Parteien streiten? Ist im Grunde genommen ja nur ein Farbauftrag auf eine Wand oder Decke. Doch weit gefehlt, denn jeder hat seine eigene Vorstellung davon wie „meine“ Wand danach aussehen soll. Grün ist nicht immer grün, blau nicht immer nur blau und weiß schon gar nicht immer nur weiß! Je nach Material und Hersteller stehen uns viele verschiedene Farbtonnuancen zur Verfügung. Einer der führenden Hersteller für Holzlasuren hat beispielsweise 84 verschiedene Weisstöne in seinem Sortiment, die zwar oft nur wenig variieren, aber nebeneinander stark voneinander abweichen können. So ist es dann schon nicht mehr so einfach, wenn der Kunde eine weisse Wand bestellt, wie die Tür oder der Schrank der daneben steht.

Auch beim Untergrund sollte man genauer hinschauen. War an der Wand einmal ein Bild befestigt, das Loch wird oder wurde zu gespachtelt, oder die Farbe soll sich nun ändern? Wie oft wurde schon drüber gestrichen? Löst sich die Farbe schon langsam ab? Gerade wenn auf einer vorher weissen Wand ein dunklerer Farbton gestrichen wird, sieht man Unebenheiten deutlicher. Unter Umständen waren Fehlstellen auf der Wand vorher kaum oder gar nicht sichtbar, kommt es nun zu für den Kunden ärgerlichen Unterschiedenen in der Fläche. Den einen Kunden stört dies gewaltig, den anderen nicht. Und genau das ist in der Praxis oftmals das Problem, die Anforderungen des Kunden an seine weisse Wand wurden nicht beschrieben und schriftlich festgehalten und der Handwerker hat auf mögliche Probleme in seinem Angebot nicht hingewiesen. Und schon befindet man sich im Streit wegen einer ordinären Wand.

Um den ganzen, oftmals unnötigen, Ärger zu vermeiden, empfehlen wir Kunden und Unternehmern immer einen (schriftlichen) Vertrag miteinander zu vereinbaren, auch wenn er nur kurz gehalten wird. Hier sollte der Kunde (Besteller) genau formulieren, wie seine Anforderung an das geschuldete Werk (Arbeit) auszusehen hat. Der Unternehmer im Gegenzug kann hier seine Arbeit(sschritte) genau beschreiben, und seine (Werk)lohn genau beziffern, inkl. von Teil- oder Akontozahlungen (wie und wann). Und das Beste ist, dass man sich die Verträge oft kostenfrei aus dem Internet herunter laden kann und sich selbst auf die eigenen Bedürfnisse anpasst; also ganz ohne Architekt, Ingenieur, Bausachverständiger oder Anwalt, auch wenn es von Fall zu Fall empfehlenswert wäre. So kann mit ein wenig zeitlichem Aufwand, ein oftmals teurer und zeitintensiver Streit vermieden werden.

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