Schäden durch fachgerechte Planung vermeiden

Von der Schadensfeststellung bis zur Behebung

Sturmböen und Tornados mit teilweise mehr als 110 Stundenkilometer, Regenmengen von bis zu 90 Litern pro Quadratmeter, Hagel und Blitz. Nicht nur in Amerika oder der Karibik kommt es zu so solchen Unwettern. Auch hier auf Mallorca konnten wir diese Wetterphänomene in den letzten Wochen beobachten. Die Zahl der angezeigten Schäden belief sich auf über 8000, der Gesamtschaden wird auf über 20 Millionen Euro beziffert, ganz zu Schweigen von den Personenschäden. Vollgelaufene Keller, Straßenunterführungen, oder sogar U-Bahnstationen, abgedeckte Dächer, umgestürzte Mauern, nur um einige Beispiele zu nennen. Viele dieser Schäden sind und waren nicht zu verhindern, einige aber schon.

Gerade Überschwemmungen und Wasserschäden entstehen häufig durch Planungsfehler im Vorfeld. Terrassen, Balkone und Einfahrten werden großzügig geplant, doch dass diese bei starken Regenfällen hohe Wassermengen abführen müssen wird oft nicht mit einkalkuliert. So muss eine Terrasse von ca. 200 qm Fläche bei starken Regenfällen bis zu 15.000 Liter Wasser abführen können, ohne dass es zu Überschwemmungen und Wasserschäden kommt. Abflussrohre, Wasserspeier und Überläufe werden in den seltensten Fällen groß genug eingebaut, oftmals aus ästhetischen Gründen, oftmals aus Unwissenheit. In dem hier vorliegenden Fall aus Calviá wurde bei den starken Regenfällen der letzten Wochen eine Terrasse mit darunterliegender Einliegerwohnung komplett überflutet. Schuld daran waren neben einer nicht fachgerechten Isolierung, die viel zu klein dimensionierten Wasserabläufe. Die Terrasse hat eine Fläche von ca. 180 qm, die über 2 Wasserabläufe von 4 x 4 cm entwässert werden muss, was für die derart starken Regenfälle erheblich zu wenig war. Zudem wurden keinerlei Dehnungsfugen auf der Terrasse hergestellt, sodass es zu Rissbildungen kam. Der Regen unterwanderte den Fliesenbelag, löste die Fliesen teilweise ab und drang durch die fehlerhafte Isolierung in den sich darunter befindenden Wohnraum. Die nachträgliche Abdichtung und das Vergrößern und hinzufügen neuer Abflüsse kostet nach ersten Schätzungen bei diesem Schadensfall ca. 12.000-14.000.- Euro, die Folgeschäden im Wohnraum belaufen sich auf das ca. 3,5-fache.

Um weitere Unannehmlichkeiten und auch Folgeschäden zu verhindern ist eine genaue Schadensanalyse von größter Wichtigkeit. Erst danach sollte man sich für die bestmögliche und sinnvollste Sanierungsform entscheiden. Ob die Sanierungsmaßnahmen einem Architekten anvertraut werden, oder direkt an einen Unternehmer ist hierbei unwichtig. Folgende Schritte sollten vor der Auftragsvergabe dringend eingehalten werden:

1) Feststellung der entstandenen Schäden

2) Ursachenfindung

3) Erstellen eines Leistungsverzeichnisses (Aufschlüsselung der verschiedenen notwendigen Arbeiten durch einen Architekten oder Unternehmer)

4) Angebotsprüfung – vor Allem ob die Arbeiten nach dem Stand der Technik ausgeführt werden sollen

5) Vergabe der Arbeiten an einen Unternehmer mittels Werk- oder Bauvertrags

 

Ist der Schaden und die Ursache gefunden, das Leistungsverzeichnis und die Angebote sorgfältig geprüft, kann man den Auftrag an den Unternehmer vergeben. Wichtig bei der Vergabe an einen Unternehmer ist der so genannte Werk- oder auch Bauvertrag. Im Gegensatz zu einem mündlich vergebenen Auftrag schuldet der Unternehmer dem Besteller (Auftraggeber) die Herstellung eines Werkes, also die Herbeiführung eines bestimmten Erfolges, und der Besteller als Gegenleistung dem Unternehmer den Werklohn. Da in den meisten Fällen der Auftraggeber nicht in der Lage ist abzuschätzen welche Arbeiten erforderlich ist, sollte in dem Werkvertrag ganz klar definiert sein, welchen Nutzen die Bau-, Renovierungs- oder Sanierungsarbeiten haben sollen. In unserem Fall wäre das eine dichte Terrasse, sodass keinerlei Regenwasser mehr in den Wohnraum eindringen kann und das Regenwasser seitlich oder in einen Wasserspeicher abgeführt wird.

Tipp: Gerade bei größeren Bauarbeiten sollte fachmännischer Rat durch Architekten oder Bauingenieure eingeholt werden, damit eventuelle Planungsfehler von Anfang an vermieden werden können.

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