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Mit der EG Richtlinie 2002/91/EG, und der überarbeiteten Fassung 2010/31/EU vom 19. Mai 2010, wurden die europäischen Staaten verpflichtet, die energetische Berechnung mittels eines sog. Energieausweises (certificado de eficiencia energética) für Neu- und Bestandsbauten vorzugeben und gesetzlich zu regeln. Beispielsweise wird in Deutschland der Energieausweis (Ausstellung, Verwendung, etc.) in der Energieeinsparverordnung (EnEV) geregelt.
Bereits seit September 2006 ist es auch in Spanien zwingend erforderlich bei Neubauten dieses Zertifikat in der Baugenehmigung mit einzureichen. Mit in Kraftteten des königlichen Dekrets (RD 235/2013) vom 5. April 2013 sind nun auch alle Bestandbauten von dieser Regelung betroffen, die entweder vermietet oder verkauft werden sollen.
Das Ziel der Richtlinie ist es die CO2 Emissionen, sprich die Treibhausgase, zu reduzieren.

Das Energiezertifikat zeigt anhand von sieben Stufen die Energieeffizienz eines Gebäudes an, beginnend von den Energieeffizienzklassen A bis G. Hierbei spiegelt die Energieeffizienzklasse A (dunkelgrün) die bestmöglichen Eigenschaften wider, die Klasse G (dunkelrot) die schlechtesten. Das Ergebnis wird anhand einer Plakette, ähnlich wie bei Elektrogeräten, angegeben.
Ab dem 01. Juni 2013 ist jeder Verkäufer oder Vermieter einer Immobilie verpflichtet, dieses Zertifikat vorzulegen. Im Gegensatz zu anders lautenden Meldungen besteht diese Verpflichtung nicht erst bei Vertragsunterzeichnung oder auf Nachfrage, sondern bereits bei der Bewerbung der Immobilie ist die Energieeffizienzklasse mit anzugeben.

So ist die Plakette auf Webseiten von Immobilienanbietern oder auch Zeitungsanzeigen bereits in der Werbung zu veröffentlichen, um dem Interessenten (Verbraucher) eine weitere Entscheidungshilfe zu bieten.

Nicht betroffen von der Regelung sind Vermietungen oder Verkäufe die vor dem 01. Juni 2013 erfolgen. Bei Nichteinhaltung dieser gesetzlichen Regelung sind Strafen nach dem Verbraucherschutzgesetz vorgesehen, die bei leichten Vergehen bis ca. € 3.005.- betragen, bei schweren bis zu ca. € 601.012.-. Nach einer Veröffentlichung in der Tageszeitung „El Mundo“ vom 13. Mai 2013 sind die Strafen für leichte Vergehen zwischen 300.- bis 600.- Euro vorgesehen, bei mittelschweren Vergehen zwischen 601.- und 1.000.- Euro und bei schweren Vergehen bis zu 6.000.- Euro.

Neben dem Baujahr und den zu diesem Zeitpunkt gültigen Normen sind Angaben zu machen über die Bauweise und die Bauart. Dies bezieht sich beispielsweise auf den Mauerwerksaufbau, Dachaufbau, Fenster und Fensteröffnungen, mögliche Wärmebrücken und auf die Ausrichtung des Gebäudes. Die hier ermittelten Daten geben Aufschluss auf den Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) eines Bauteils, sprich dessen Wärmedämmeigenschaften. Hiernach kann berechnet werden, wie viel Energie notwendig ist, ein Objekt zu heizen oder zu kühlen, bzw. wie viel Energie dabei durch schlechte Dämmeigenschaften verloren geht. Neben diesen Daten wäre noch die Dichtigkeit (Luftdichtheit) der Gebäudehülle wichtig, die aber nur anhand spezieller Messtechniken (Blower-Door-Test) zu ermitteln ist.
Daneben sind ebenfalls Informationen über die elektrischen Anlagen wie Heiz- und Kühlgeräte und deren Verbrauch in der Auswertung zu verarbeiten.
Die gesammelten Daten sind vom beauftragten Unternehmen in einem oder mehreren Terminen vor Ort zu überprüfen. Das Ausstellen von Zertifikaten ohne vorherigen Ortstermin ist verboten und wird ebenfalls mit teils hohen Strafen sanktioniert.
Betroffen von der Regelung sind alle zu Wohnzwecken genutzte Objekte, die vor dem Jahr 2007 erbaut wurden, aber auch öffentliche Gebäude wie Büros und Lokale.

Ausgenommen von der Regelung sind lediglich Objekte die weniger als 50 m2 Wohnfläche haben, oder beispielsweise die Mietdauer kürzer als 4 Monate/Jahr ist.

Weitere Ausnahmen sind z. B. religiöse Einrichtungen, historische Gebäude, Werkstätten oder landwirtschaftliche Anlagen.

Die Ausstellung der Zertifikate ist in Spanien ausschließlich Architekten, technischen Architekten, Ingenieuren und technischen Ingenieuren mit fundierten Kenntnissen in den dafür entwickelten Computerprogrammen CE3 und CE3X vorbehalten. Im Gegensatz zu Deutschland, wo neben den oben genannten Berufsgruppen auch Handwerksmeister, staatlich anerkannte oder geprüfte Techniker, wie aber auch Personen aus dem Baustoff-Fachhandel oder Energiefachberater hierzu berechtigt sind.
Die Leistung / der Energieverbrauch ist meist noch ohne Probleme, anhand von technischen Datenblättern der Hersteller zu ermitteln. Schwieriger gestaltet sich dies aber oftmals bei der Berechnung der Konstruktion (Mauerwerksaufbau, Dachaufbau, etc.) von Objekten älteren Baujahrs. Liegen keine genauen Angaben durch vorhandene Planunterlagen, Baubeschreibungen, Rechnungen oder andere Nachweise über die Bauweise vor, berechnet das Programm die zum Bauzeitpunkt üblichen Wärmedämmeigenschaften. Da diese Art der Berechnung oftmals zu einer schlechteren Bewertung führt, ist eine messtechnische Analyse bzw. eine Analyse durch Bauteilöffnung je nach Fall zu prüfen und ggf. zu empfehlen.
Liegen z. B. auch keine Grundrisse und Ansichten (Pläne) des Objektes vor, ist ein Aufmass der Wohnfläche und der Fassadenfläche vor Ort zwingend erforderlich, um die geforderten Daten ermitteln zu können.
Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Spanien im Prinzip keine. Selbst die schlechteste Energieeffizienzklasse G führt nicht zu Sanktionen oder zur Verpflichtung eine energetische Sanierung durchzuführen. Allerdings wird vermutet, dass Objekte mit mangelhaften energetischen Eigenschaften zukünftig schlechter vermietet oder verkauft werden können. Dies wiederum könnte zu einer Ankurbelung des Bauwesens in Spanien führen, da beispielsweise durch den nachträglichen Einbau von neuen Fenstern, oder das Anbringen eines Wärmedämmverbundsystems die energetische Bewertung eines Gebäudes verbessert werden kann.
Trotz einiger Verspätung hat Spanien die europäischen Vorgaben mit der Einführung des Energiezertifikats erfüllt. Ob die Erwartungen und die Zielsetzungen aber erreicht werden, ist noch abzuwarten. Grundsätzlich ist die Fristsetzung, mit einem Vorlauf von weniger als 3 Monaten, als bedenklich und kaum umsetzbar zu bezeichnen. Bei wahrscheinlich mehreren tausend Immobilienangeboten auf diversen Webseiten und Zeitungsannoncen, ist die Umsetzung des königlichen Dekrets in dieser kurzen Zeitspanne sehr wahrscheinlich als unmöglich zu bezeichnen. Es wird sicherlich spannend, ob die Immobilienangebote ab dem 1. Juni 2013 tatsächlich alle mit einer Energie-Plakette versehen sind, oder ob die Anbieter die Objekte bis zum Erhalt des Zertifikats aus dem Angebot nehmen.
Schlussendlich sollte noch auf die möglichen Gefahren in der nahen Zukunft eingegangen werden. Es ist zu erwarten, dass es zu vermehrten energetischen Sanierungen in den nächsten Jahren kommen wird. Die energetische Altbausanierung ist gerade auf Mallorca aber eher ein verwaister Zweig des Bauwesens, mit nur wenigen Fachleuten mit fundierten Kenntnissen in der Bauphysik. Auch die traditionelle Bauweise auf Mallorca spricht nicht gerade für die notwendigen Kenntnisse im Bereich von Wärmedämmverbundsystemen oder Innendämmungen, da dies bislang aufgrund des wärmeren Klimas als nicht notwendig erachtet wurde, im Gegensatz zu Deutschland. Daher empfiehlt es sich auch hier sich umfangreich über den Anbieter und Planer zu informieren, damit die Sanierung nicht zu einer Sanierung wird.

Willst du den Bau nicht beweinen, dann baue nur mit eigenen Steinen!

Deutsches Sprichwort