Billig kommt meist teuer

Von Oktober 2002 bis Dezember 2011 verwendete eine bekannte Elektronikhandelskette den Werbeslogan „Geiz ist geil“ für Ihre Werbekampagnen. Ein Slogan, welcher sich bis heute in den Köpfen der Verbraucher festgesetzt hat. Als wäre man in einem Wettbewerb wird ge- und verhandelt „bis der Arzt kommt“.

Auch beim Neu- oder Umbauen von Immobilien geht es meist um viel Geld. Da lohnt es sich vor der Vergabe von Aufträgen die einzelnen Angebote genau zu überprüfen. Bevor man allerdings anfängt einzelne Angebote miteinander zu vergleichen, sollte man hinterfragen, ob diese überhaupt vergleichbar sind. Bei größeren Bauvorhaben, speziell wenn diese von einem Architekten oder Projektmanager überwacht werden, ist eine detaillierte Leistungsbeschreibung Gang und Gäbe. In diesem Leistungsverzeichnis (LV) sind neben den auszuführenden Arbeiten aber auch Qualitäten und Materialien zu benennen. Aber auch bei kleineren Bauarbeiten sollte auf eine detaillierte Beschreibung der Arbeiten nicht gänzlich verzichtet werden, vor Allem nicht, wenn sich Auftraggeber und Auftragnehmer nicht gut kennen. Nur so ist gewährleistet, dass nicht „Äpfel mit Birnen“ verglichen werden und beide vom Gleichen ausgehen.

Aber auch der Unternehmer tut gut daran, bereits von Anfang an möglichst ausführlich seine Leistungen klar und unmissverständlich im Angebot zu formulieren. Als Paradebeispiel fällt mir ein Malerbetrieb auf Mallorca ein, der vor einiger Zeit diverse Arbeiten bei einem Kunden ausgeführt hatte. Das Angebot über Malerarbeiten an sichtbaren Dachbalken, war kurz und knapp gehalten: „Balken säubern, schleifen und lasieren“. Hierzu wurde sehr vorbildlich, eine Musterfläche angelegt und abgenommen. Die Angebotssumme mit knapp € 10.000.- war im Vergleich zur Konkurrenz mit ca. € 31.000.-, spottbillig. Es kam wie es kommen musste: Die sehr anspruchsvolle Auftraggeberin ging davon aus, dass die Balken (wie am Muster) komplett abgeschliffen und neu beschichtet werden. Der Maler selbst aber hatte diese „nur“ angeschliffen und die neue Lasur aufgebracht. Auch die Farbe war lt. der Kundin nicht die vereinbarte. Problem war, dass das angebrachte Muster auf einem der Balken mittlerweile auch überarbeitet wurde, sodass Aussage gegen Aussage stand. Am Ende des Tages waren beide unzufrieden: der Kunde mit dem Erscheinungsbild seines Hauses, der Maler, da er auf einen Teil seines Werklohnes verzichten musste.

Grundsätzlich sollte man zwar jedes Angebot hinterfragen, ob nun teure oder billige, aber keinen regelrechten Preiskampf veranstalten. Man sollte sich immer darüber bewusst sein, dass sich Dumpingpreise meistens auch auf die Qualität der Arbeiten niederschlagen. Aus unserem Alltag als Bausachverständige und Bauprojektmanager haben wir in den letzten Jahren viele dieser Beispiele gesehen, sogar Tragödien erlebt, wenn Bauherren ohne fachliche Unterstützung versucht haben eine Arbeit über den Preis zu vergeben. Ganz nach dem Motto „Geiz ist geil“.

Im Rheinland sagt man: „Watt nix kost`, datt is auch nix“! Vielleicht ist hier etwas Wahres dran!

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