Allzweckwaffe Trockenbauplatte

Ob im Neubau oder der Altbausanierung, die universell einsetzbaren Platten sind seit den 1950er-Jahren aus dem Bauwesen in Deutschland nicht mehr weg zu denken. Aber auch auf Mallorca wird der Trockenbau immer beliebter. Ob Trennwände, Vorsatzschalen oder vor Allem die Abhangdecken, der Trend zur „Platte“ ist nicht mehr aufzuhalten.
Am bekanntesten ist die Trockenbauplatte aus Gipskarton, die unter dem Synonym Rigipsplatte bereits in den 1980er-Jahren in aller Munde war. Rigips allerdings war nicht die Begrifflichkeit des Materials, sondern einer der führenden Hersteller. Die Vorteile der Gipskartonplatten wurden früh erkannt. Neben einer sauberen und einfachen Verarbeitung, waren vor Allem der Zeitfaktor und die Gestaltungsmöglichkeiten ausschlaggebend für den Erfolg des Baustoffs. Ganze Innenausbauten können in Rekordzeiten fertig gestellt werden, wodurch sich Baufertigstellungszeiten ungemein beschleunigen lassen. Immer unter dem Motto: „Zeit ist Geld“!
Doch neben all den Vorteilen sind bei der Verwendung auch einige wichtige Punkte zu beachten, wie z. B. bei der Wahl des Materials. Trockenbauplatten gibt es in verschiedenen Plattentypen. So muss man unterscheiden zwischen gipsgebundenen und zementgebunden Trockenbauplatten. Die am häufigsten verwendeten Plattenarten sind: die normale „weiße“ Gipskartonplatte für Wohn- und Schlafräume, die imprägnierte „grünliche“ (ugs. Feuchtraumplatte) für Küchen und Bäder, und die zementgebundenen Platten für Nassräume, Schwimmbäder und z. B. auch für den Außenbereich. Daneben gibt es noch spezielle Platten für Schall- und Feuerschutz, etc.
Wie das Wort Gipskartonplatte schon besagt, bestehen diese aus einem mit Karton ummantelten Gipskern. Grundsätzlich ist Gips selbst ein Material mit besten baubiologischen Vorzügen. So kann die Gipskartonplatte aufgrund des hohen Porenanteils sehr gut Feuchtigkeit aufnehmen und bei trockener Luft wieder abgeben, sofern diese mit einem diffusionsoffenen Material (z. B. Farbe) beschichtet wurden. Somit ist die Platte grundsätzlich hervorragend geeignet zur Klima- und Feuchtigkeitsregulierung.
Allerdings haben alle gipsgebundenen Bauplatten Probleme mit erhöhter Feuchtigkeitszufuhr, egal ob in flüssiger Form oder anhaltender hoher Luftfeuchtigkeit. Oftmals wird auch die ugs. Bezeichnung „Feuchtraumplatte“ fehlinterpretiert und somit falsch eingesetzt, wie z. B. in unmittelbarer Nähe von Duschen und Badewannen, oder gar im Außenbereich. Und das nicht nur von Laien, sondern auch von vielen „Baufachleuten“, die es eigentlich besser wissen sollten. Die Platte selbst ist zwar imprägniert und weist eine verzögerte Feuchtigkeitsaufnahme auf, diese ist allerdings nur begrenzt. Wird diese längere Zeit erhöhter Feuchtigkeit ausgesetzt, nimmt diese unweigerlich auch Schaden. Mögliche Schäden sind Schimmelpilzbildungen oder irreparable Gefügezerstörungen. Für Schimmelpilze bieten Gipskartonplatten geeignete Lebensbedingungen, sofern genügend Feuchtigkeit zur Verfügung steht. Da der Karton selbst aus Zellulose besteht, stehen die Nährstoffe in ausreichender Form zur Verfügung.
In der Praxis selbst erleben wir immer wieder die haarsträubendsten Geschichten. So wurde bei einem unserer Kunden eine Vorsatzschale aus Gipskarton vor eine feuchte Wand gestellt und behauptet, diese würde zur Trocknung beitragen. In der Folge kommt es zu versteckter Schimmelpilzbildung und somit möglicher Gesundheitsgefährdung. So sind grundsätzlich immer Wände mit einer Gipskartonschale zu hinterfragen, da diese auch gerne mal zum „Verstecken“ von Schäden und Feuchtigkeitsproblemen genutzt werden. Auch werden immer öfter alle Wände bei einem Neubau mit Gipskartonplatten verkleidet, inkl. einer Innendämmung. Wurden aber auch die Dämmungen fachgerecht hergestellt und die bauphysikalischen Gegebenheiten beachtet und berechnet? Wurden die Wände und Decken auch so hergestellt und verstärkt, dass auch schwere Gegenstände wie Fernseher und Leuchten problemlos aufgehangen werden können?
Grundsätzlich bieten Trockenbauplatten viele Vorteile beim Innenausbau. Allerdings würde ich persönlich einer massiven Wand einer Trockenbauwand immer den Vorzug geben, da diese immer eine bessere klimaregulierende Fähigkeit besitzt, eine Außendämmung immer besser sein wird als eine Innendämmung, und natürlich massiv qualitativ immer besser ist als eine hohl klingende Ständerwand. Von den gestalterischen Möglichkeiten bietet der Trockenbau allerdings erheblich mehr Möglichkeiten, womit dieser seinen Siegeszug sicherlich weiter fortsetzen wird.

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